Projekt zur Wiederansiedlung der Donauschwarzpappel

Vor Kurzem entdeckt und vom Verschwinden bedroht: Die letzten Exemplare der heimischen Schwarzpappel an der schwäbischen Donau wurden im Jahr 2012 entdeckt und in einem Sondereinsatz der Ehinger BUND-Gruppe buchstäblich „Kurz vor Zwölf“ vor dem Aussterben bewahrt.

Seit ca 10 Jahren gibt es im Neckarraum Initiativen zum Erhalt der Neckar-Schwarzpappel, die bis 1996 als ausgestorben galt. Im Jahr 2012 untersuchte Karl-Heinz Frey, der in der Esslinger Neckar-Region zuhause ist, und sich schon lange intensiv mit dieser Baumart beschäftigt hat, in den Waldbestände an Donau und Iller in Ulm flussaufwärts nach Exemplaren der heimischen Schwarzpappel und wurde auch fündig. Genanalysen im Labor machten deutlich, dass sich die Schwarzpappeln an der Donau und ihren Nebenflüssen von denen am Neckar oder am Rhein deutlich unterscheiden. Damit war endgültig klar, dass zu jedem Flusssystem eine eigene „Schwarzpappel –Sorte“ gehört und man von einer „Donau-Schwarzpappel“ sprechen kann.

Die ca 100 Pappelexemplare, die von Frey entdeckt und genau eingemessen und beschrieben wurden, sind allerdings in einem denkbar schlechten Zustand. Die meisten sind überaltert und stehen in engen Waldbeständen, eine Verjüngung aus eigener Kraft ist fast unmöglich. Hinzu kommt, dass die Pappeln zweihäusig ist, das heißt es gibt männliche und weibliche Exemplare. Diese dürfen zur Bildung keimfähiger Samen auch nicht zu weit auseinanderstehen.

Da fügte es sich fast schicksalhaft, dass die Vorsitzende der Ehinger-BUND-Gruppe, Angela Scheffold, im Sommer 2012 von diesem Fund erfuhr. Schon lange war sie auf der Suche nach geeigneten Standorten für die Pflanzung der heimischen Schwarzpappel – Populus nigra- die 2006 Baum des Jahres war. Die Anschub-Finanzierung war gesichert und im Rahmen des integrierten Donau-Programmes waren in den Jahren vorher große Flussabschnitte der Donau rund um Ehingen renaturiert worden. Hier gibt es also ausreichend unbewachsene  Kiesflächen und flussnahe, regelmäßig überflutete Standorte, die die Pappel zur Verjüngung so dringend benötigt, und die anderorts fehlen. Nur der Bezug geeigneter Pflanzen schien schwierig zu werden und es kamen Zweifel auf, ob Exemplare der Rheinischen Schwarzpappel, von der es ausreichend Jungpflanzen gab, hier an der Donau ein neues Zuhause finden könnten. Da gab die Nachricht, dass in der Umgebung noch gebietsheimische Pflanzen wachsen, den Anstoß, sich selber um eine Vermehrung dieser letzten, gefährdeten Exemplare zu bemühen.

In abenteuerlichen Wintereinsätzen zur Gewinnung von Steckhölzern wurden zugängliche Pappelexemplare beerntet, für manche Rettung  wirklich in letzter Sekunde, da schon einige der Bäume durch den letzten Sturm gefallen waren. Die Baumschule Haid in Ingerkingen setzte ihr gesamtes Wissen ein, um die kostbaren Hölzer zum Austreiben zu bringen, und im Sommer 2013 wuchsen über 400 Setzlinge heran. Einige davon wurden im Herbst 2013 in vorbereitete Mulden gesetzt, auf Flächen, die der Stadt Ehingen gehören.

Ein eigens entwickeltes Schutzgitter verhindert Biberfraß und Wildverbiss, lässt den Pflanzen aber genug Platz und Licht für eine optimale Entwicklung. Außerdem werden die Neupflanzungen per GPS eingemessen und im Rahmen des Bestands- und Nachzuchtkatasters des Wiederansiedlungsprojektes für die Neckarschwarzpappel erfasst.

Für die nächsten Jahre steht daher bei der Ehinger BUND-Gruppe die Versorgung und der Schutz dieser ganz besonderen Pfleglinge auf dem Programm.

Eine etwa 30-Minuten lange Präsentation mit vielen Fotos über das Projekt wurde ausgearbeitet um das Projekt anderen interessierten Gruppen vorzustellen. Weitere Pflanzungen sind im Stadtgebiet von Ulm und an der Donaurenaturierung Hundersingen- Binzwangen geplant, so dass alle 2013 herangezogenen Pflanzen schon „vergeben“ sind.

Im Frühjahr 2014 war die Ehinger BUND-Gruppe aufgrund der trockenen Witterung alle 1-2 Wochen zum Gießeinsatz unterwegs, was immer mit erheblichem körperlichem und logistischem Aufwand verbunden ist. Außerdem müssen die lichtbedürftigen Setzlinge regelmäßig von konkurrierendem Kraut- und Graswuchs befreit werden, bis sie etwa über 1,50 m groß sind. Bis zu dieser Größe sollten auch die Wurzeln Anschluss an das Grundwasser haben. Je nach Entwicklung der Pflanzen muss diese Pflege ggf. auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden.

Reiserernte
Reíserernte mit dem Hubsteiger

Sorgfältig wird die Herkunft gekennzeichnet
Pflanzen von Setzstangen
Die Setzstangen treiben aus
Anzucht der Pappeln in der Baumschule
Setzlinge in Containern
Pflanzung von Anzuchtmaterial
Gepflanzte Pappeln
Regelmäßiges mähen ist notwendig
Der Biber liebt Pappeln


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